Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge

naturschutzgebiet_„damerower_werder

Naturschutzgebiet Damerower Werder

Die Halbinsel „Damerower Werder“ liegt im nordwestlichen Teil des Kölpinsees. das Naturchutzgebiet ist 777 ha groß und liegt im Landkreis Müritz. Das Naturschutzgebiet wird durch die beiden völlig verschiedenen Halbinseln Damerower Werder und Heidenkirchhof geprägt. Vorrangig dient das Naturschutzgebiet dem Schutz der ausgedehnten Schilf- und Seggenriede der Schwemmkuhle (Heidenkirchhof) mit einer artenreichen Vogelwelt, dem Schutz der Seeuferbereiche, dem Erhalt der Altwaldstandorte,dem Erhalt der artenreichen Feuchtwiesen auf beiden Halbinseln und dem Schutz von Fischotter, Kranich, Fisch- und Seeadler sowie weiterer vom Aussterben bedrohter Flora und Fauna.

Wisente in freier Wildbahn - das gibt es nicht nur im weltbekannten Nationalpark von Bialowiecza in Polen, sondern auch in Mecklenburg. Nicht ganz so bedeutend, nicht ganz so gross, aber auch nicht ganz so weit von Hamburg und Berlin, Rostock und Leipzig.

Auf dem „Damerower Werder“, einer Halbinsel im Kölpinsee zwischen Waren und Malchow, lebt eine Gruppe von ca. 20 Exemplaren dieser urtümlichen Wildrinder. Da das Betreten des Geländes für die Besucher nicht möglich ist - es wäre sicherlich auch zu gefährlich - hat man im vorderen Bereich ein immer noch sehr grosses Schaugehege eingerichtet, in dem eine weitere, aber kleinere Gruppe von den Besuchern beobachtet werden kann. Am günstigsten ist es, wenn Sie zur Fütterungszeit kommen, täglich um 10.00 Uhr und um 15.00 Uhr, denn auch das Schaugehege ist noch so gross, dass Sie die Tiere sonst wahrscheinlich nur mit einem guten Fernglas sehen könnten. Die Fütterung aber können Sie von einer überdachten Tribüne aus sehen - für 2,- Euro Eintritt (Gruppen ab 15 Personen nur 1,- Euro, Stand 2006).

Wisente (wiss: Bison bonasus) sind europäische Wildrinder, die noch im Mittelalter in ganz Europa weit verbreitet waren. Heute gibt es einen nicht sehr grossen, aber gesicherten Bestand in Schutzgebieten und Tiergärten.

Die grossen Tiere - sie erreichen eine Schulterhöhe von 2 m - sind Waldbewohner und ernähren sich von Laub und Zweigen, aber natürlich auch von Gras. Ein Bulle lebt mit mehreren Kühen zusammen, die ziemlich regelmässig Junge bekommen: Der Wisent könnte ein ruhiges Leben in unseren Wäldern führen - wenn er nicht eine beliebte Jagdbeute des Menschen gewesen wäre. Neben der übermässigen Jagd taten die Kultivierung des Landes und die Besiedlung bis in die letzten Winkel das ihre.

Ansonsten haben die Tiere (ausser Krankheiten) keine natürlichen Feinde; Wölfe, die ihnen gelegentlich nachstellen, gibt es ja auch nicht mehr.

Die heute ca. 3000 Tiere dieser Art leben überwiegend in Zoos und in den Schutzgebieten in Polen. Und auch das wäre fast schiefgegangen und damit beginnt die späte Erfolgsstory eines Grosstieres - zugleich die Erfolgsstory der Erhaltungszucht in Tiergärten und des Natur-Managements:

Denn fast wäre auch diese eindrucksvolle Tierart von unserem Planeten verschwunden, so wie Riesenalk und Tarpan, Auerochse und Dronte und viele andere Arten. Der letzte freilebende Wisent Ostpreussens wurde von zwei Wilderern im Dezember 1755 im Tapiauer Forst gewildert. Zehn Jahre lang mussten die beiden dafür übrigens auf der Festung Küstrin Erde karren.

In Polen gab es allerdings noch über 150 Jahre lang Wisente im Urwald von Bialowieza. Sie sollten für ein Erhaltungsprogramm gefangen werden, aber am 12. April 1919 - zwischenzeitlich hatte der erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 Europa verwüstet - findet eine staatliche Kommission nur noch die Spuren von Wilderern und die Reste eines gemeuchelten Wisents. Der wohl letzte freilebende Wisent Polens war nicht mehr - ein ehemaliger Forstbeamter hatte den letzten Wisent des polnischen Urwaldes auf dem Gewissen.

(Nach anderen Quellen starb der der letzte polnische Wisent am 9. Februar 1921 - es ist schon erstaunlich, dass es zwei genaue Datumsangaben gibt, die so stark voneinander abweichen!)

Damit schien die Art am Ende zu sein - ausschliesslich und ohne eine Entschuldigung ausgerottet durch die Menschen.

Einige Zoologen wollten sich damit nicht abfinden: Sie verwiesen auf die Wisent-Bestände, die in einigen Zoologischen Gärten und Parks vorhanden waren.

Im Juni 1923 fand in Paris ein internationaler Naturschutzkongress statt. Der polnische Zoologe Jan Stolcmann nutzte die Gelegenheit, seine Idee zur Rettung des europäischen Wisents vorzustellen. Fast zeitgleich, im August 1923, wurde von deutschen Zoodirektoren die „Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents“ gegründet. Mitglieder wurden Vertreter der Länder, in denen noch Wisente in Zoos und Tiergärten standen. Das Ziel dieser Vereinigung internationaler Wissenschaftler und Förderer war die „Erhaltung des Wisents durch dessen planmäßige Zucht“ und, bei entsprechender Vermehrung, „das Aussetzen der Tiere in entsprechend große Waldkomplexe“.

Besonders die Gebrüder Heck begannen jetzt einen zähen und klugen Kampf um das Überleben der Art zu führen: Sie konnten in einigen Zoologischen Gärten einen Bullen und mehrere Kühe auftreiben. Diese Einzeltiere wurden zu einer Zuchtgruppe zusammengeführt - und sie vermehrten sich prächtig! 1956 konnten die ersten Wildrinder in Bialowieza ausgewildert werden.

Als erstes wurden alle reinblütigen Wisente in das Zuchtbuch aufgenommen, derer man europaweit habhaft werden konnte. Es waren noch 54 Tiere. Zur Zucht aber, und damit zur Rettung der Art, taugten nur noch 12 Wisente, 5 Bullen und 7 Kühe. Der große Rest war zu alt, unfruchtbar oder krank. Sorgfältige Zuchtwahl und internationale Zusammenarbeit ließen die Zahl der Wisente langsam wieder ansteigen. Der 2. Weltkrieg riss erneut große Lücken in den Bestand. Wertvolle Zuchttiere endeten sprichwörtlich im Kochtopf. Nach Kriegsende verzeichnete das Zuchtbuch 98 reinblütige Wisente weltweit, die sich nun, nach den überstandenen Kriegswirren, rasch vermehrten.

1952 kehrte der Wisent wieder in seine angestammte Heimat zurück. Im Urwald von Bialowieza wurden die ersten Tiere in die freie Wildbahn ausgesetzt. Schon 1979 gab es wieder 2000 Wisente, zur Jahrtausendwende waren es etwa 3000 Tiere, die in Gehegen und freilebend gezählt wurden. Durch die engagierte Arbeit der inzwischen fast 200 Zuchtstätten in 30 Ländern wurde ein „Wunder“ vollbracht, das kaum mehr möglich schien: Die Rettung des europäischen Wisents! Heute leben über 1800 Wisente in freier Natur, verteilt auf Polen, Weißrussland, Russland, Litauen und die Ukraine. Fast 1200 Tiere werden in Zucht- und Schaugehegen und Tierparks gehalten. Den wohl größten Anteil an der Rettung des Wisents haben Polen und Deutschland.

Damit es keine Inzucht geben konnte, wurde ein Zuchtbuch angelegt, so dass immer möglichst fremde Zuchtlinien miteinander verpaart werden. Dadurch, dass heute die meisten Tiere wieder in grossen, naturnahen Schutzgebieten leben in denen sie keinerlei Verbindung mehr zu Menschen haben, wachsen gesunde Generationen heran, Tiere, die nicht nur vom Äusseren her, sondern auch von ihrem Verhalten her echte Wildtiere sind.

http://www.waren.de/wisente.htm

naturschutzgebiet_„damerower_werder.txt · Zuletzt geändert: 2007/12/29 18:47 von krutzke

Seiten-Werkzeuge