Havelberg

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…ist eine ehemalige Hansestadt im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt. Die Stadt gehört als einziger Ort im Landkreis keiner Verwaltungsgemeinschaft an. Historisch bestehen enge Verbindungen zur Prignitz/Mark Brandenburg.

Havelberg, dessen historisches Zentrum sich auf einer Insel in der Havel befindet, liegt an der Havel kurz vor ihrer Mündung in die Elbe. Im Norden und Osten grenzt die Gemarkung Havelberg an die drei brandenburgischen Landkreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Havelland.

Havelberg ist eine Gründung Kaiser Ottos I. aus dem Jahr 946, als dieser hier das Bistum Havelberg begründete. Im Zuge der Deutschen Ostsiedlung wurde hier ein Bistum zur Missionierung der Slawen errichtet. Havelberg ist neben Brandenburg an der Havel der älteste Bischofssitz östlich der Elbe. Beim Slawenaufstand von 983 wurde der Bischofssitz zerstört und war bis 1128 slawische Residenz u.a. des Fürsten Wirikind.

Nach einem Streit zwischen dem Kapitel und den Hohenzollerschen Kurfürsten wurde 1506 die Prämonstratenser-Regel aufgehoben und ein weltliches Domstift eingerichtet. Nach der Reformation 1561 wurde das Domkapitel lutherisch und 1571 erfolgte die Eingliederung des Bistums Havelberg in das Kurfürstentum Brandenburg.

Die Kirche St. Laurentius erhielt 1660 einen Westturm mit barocker Haube. Im Zeitraum von 1688 bis 1698 wurden mehr als 15 hochseetüchtige Schiffe unter Benjamin Raule mit niederländischen Schiffbauern für den Kurfürsten der Mark Brandenburg gebaut und von hier nach Hamburg und Berlin gebracht. 1698 wurde ein neues Rathaus gebaut, nachdem dieses 1627 durch dänischen Beschuss zerstört worden war. 1716 trafen sich in Havelberg der russische Zar Peter der Große und der preußische Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., wobei Gastgeschenke ausgetauscht wurden: Preußen übergab das Bernsteinzimmer und erhielt dafür Soldaten, die sogenannten „Langen Kerls“. Seit 1750 ist der Havelberger Pferdemarkt nachweisbar.

Die klassizistische Havelberger Domschule westlich des Doms wurde 1803 bis 1815 erbaut. 1819 erfolgte die Aufhebung des Domstifts, und von 1856 bis 1901 wurde ein Teil der Gebäude als Kaserne genutzt. 1854 wurde wiederum ein neues Rathaus gebaut. 1870 wütete ein verheerender Stadtbrand. 1907 wurde auf das Westwerk des Domes ein fünfarkadiges, neoromanisches Glockengeschoss mit Dachreiter aufgesetzt.

1952 wurde Havelberg Kreisstadt des Kreises Havelberg im Bezirk Magdeburg. Dieser bestand bis zur Auflösung des Kreises 1994. Der Landkreis wurde dem Landkreis Stendal zugeteilt, Havelberg verlor den Status einer Kreisstadt. 1996 wurde der Dom Eigentum der Domstiftung des Landes Sachsen-Anhalt.

Der Elbe-Havel-Winkel besitzt besonders auf Grund seiner Bedeutung als Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für Wat- und Wasservögel großflächigen Schutzstatus. So wurde 1978 das rund 5.800 ha große Deichvorland beiderseits der Havel zwischen Hohennauen und Havelberg in den heutigen Ländern Sachsen-Anhalt und Brandenburg auf Grundlage der UNESCO-Konvention als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung (RAMSAR-Gebiet) „Untere Havel“ ausgewiesen. Der in Sachsen-Anhalt liegende Teil des RAMSAR-Gebietes ist auch als Important Bird Areas (IBA) sowie als EU-Vogelschutzgebiet benannt. Als letzteres fällt das Gebiet zugleich in den Geltungsbereich der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH-Richtlinie) der EU.

Das Haveldeichvorland besitzt als Lebensraum vieler auentypischer Tier- und Pflanzenarten sowie als Rastplatz für Zugvögel, wie Gänse, Kraniche, Schwäne, Limikolen und Enten, eine besondere Bedeutung. Extensiv genutztes Grünland bildet mit eingestreuten Feuchtwiesen, Ufersaumvegetation, Schilfröhricht, Seggenriedern, Altwässern, Flutrinnen, Schlammflächen und Gebüschen ein abwechslungsreiches Mosaik.

Eine Vielzahl bedrohter Vogelarten, wie Fischadler und Schwarzstorch, sind hier anzutreffen.

Der Schutz vieler hier vorkommender Tierarten hat überregionale Bedeutung. Solche z.B. der FFH-Richtlinie unterliegenden Arten, welche im Elbe-Havelwinkel vertreten sind u.a. Biber, Fischotter, Kammolch, Rotbauchunke, Moorfrosch und Kreuzkröte.

Förderverein “Naturschutz im Elb-Havel-Winkel e.V.”

Die untere Havelniederung in Sachsen-Anhalt ist Teil des von der UNESCO anerkannten Biosphärenreservates „Flußlandschaft Elbe“. Dieses länderübergreifende Biosphärenreservat erstreckt sich in den Ländern Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.. Mit der grenzübergreifenden Unterschutzstellung des Elbelaufes in einem Biosphärenreservat soll die Auenlandschaft der Elbe, als eine über Jahrhunderte durch menschliche Tätigkeit geprägte und mit einer reichhaltigen Naturausstattung versehene Kulturlandschaft, gesichert werden.

Das Landschaftsschutzgebiet „Untere Havel“ umfasst mit etwa 287,3 km² den gesamten ehemaligen Landkreis Havelberg. Dazu gehören die Flußlandschaften der Elbe und Havel, der Nordteil der Klietzer Hochfläche und die Kamernschen und Rehberger Berge. Weiterhin das Eisrandlagengebiet des Ländchens Schollene und die nördlich von Havelberg gelegene flache bis flachwellige Moränenlandschaft mit dem Steilabfall zur Havel. Auf den ertragsschwachen und vom Relief exponierten Standorten der Kamernschen und Rehberger Berge, des Ländchens Schollene und des östlichen Teiles der Grundmoräne nördlich Havelbergs stocken ausgedehnte Kiefernforste. Sie werden nur kleinflächig von Laubholzbeständen unterbrochen. Die großen, zusammenhängenden Waldgebiete weisen ein hohes Erholungspotential auf.

In den Übergangsbereichen zwischen den Hochflächen und der Flußaue, so in den Räumen Havelberg-Kümmernitz und Kamern-Schollene, stocken mehr oder minder großflächige Erlenbruchwälder. Besonders im Havelberger Raum weisen sie noch ausreichende Vernässungen in den Winter- und Frühjahrsmonaten auf. Niedermoorgebiete werden teilweise wiedervernässt. Die Niedermoore bei Ferchels und Neuschollene weisen noch Reste einer artenreichen Grünlandvegetation auf. Kleinräumig findet man im Deichhinterland solche ehemals niederungstypischen Landschaftselemente wie kopfweidenbesäumte Gräben, Kleingewässer, Heckenreihen und kleinere Laubwaldbestände.

Die weite, kaum zerschnittene Kulturlandschaft bietet als Nahrungs- und Lebensraum den unterschiedlichsten Tierarten Platz. So nutzen Scharen nordischer Gänse und Schwäne sowie die im Herbst rastenden Kraniche die Äcker als Nahrungsflächen. Der Elbebiber und der Fischotter wurden als regelmäßig vorkommend nachgewiesen. Erwähnenswerte Biotope im elbenahen Bereich des LSG sind offene Sanddünen, Sandtrockenrasenflächen und als „Werder“ bezeichnete Flußdünen. Letztere weisen zum Teil Hartholzauenreste im Überflutungsbereich auf.

www.havelberg.de/nsg