Pleißemühlgraben

Bearbeiter:

Hans-Peter Kozerski, 15848 Beeskow

Dr. Wolfgang Krutzke, 18055 Rostock

In seinem heutigen Verlauf zweigt der Pleißemühlgraben kurz vor dem Pleißenwehr zwischen Connewitz und Schleußig von der Pleiße ab und fließt entlang der Wundtstraße ins Musikviertel, tangiert westlich die Altstadt, folgt dem Promenadenverlauf und mündet an der Rosentalbrücke (Rosentalwehr) neben dem Naturkundemuseum in den Elstermühlgraben.

Hauptzweck seiner etappenweisen künstlichen Anlage, deren Beginn bis etwa 930, also in die Zeit vor der Stadtgründung zurückreicht und die mit dem Bau der Nonnenmühle 1287 endete, war vorrangig der Betrieb von Mühlen (Nonnenmühle, Thomasmühle, Barfußmühle, Gohliser Mühle).

Der mit dem Bau des Reichsgerichtes 1895 abgedeckte Abschnitt des Pleißemühlgrabens zwischen Beethoven- und Wächterstraße, rechts ein RegenwasserrückhaltebeckenPferdeschwemmen, Bade- und Bootsbetrieb besonders im südlichen Teil des Mühlgrabens kamen hinzu.

Seit dem 16. Jahrhundert versorgten die südlich der Pleißenburg (heute Standort Neues Rathaus) erbauten Wasserkünste die Stadt über ein Holzröhrensystem mit einem Gemisch aus Brunnen- und Pleißenwasser. Daneben bot der Wasserreichtum der Elster-Pleiße-Aue beste Voraussetzung für die Anlage von Gärten, die sich schnell vom Nutz- zum Zier- und Lustgarten wandelten und im 18. Jahrhundert europäischen Ruf erlangten. 1714 fand im Apelschen Garten (heute Otto-Schill-Straße/Dorotheenplatz) zu Ehren August des Starken auf dem Pleißemühlgraben ein Fischerstechen statt.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgten umfangreiche Neuregulierungen der Flüsse. Die Aue wurde zunehmend als Bauland erschlossen. Im Zuge dieser baulichen Verdichtung und städtebaulichen Überformung erhielt der Pleißemühlgraben ab den 1860er Jahren in weiten Abschnitten steinerne Ufermauern und einen vorwiegend kanalartigen Charakter.

Um 1900 wurde ein Teilstück am Dittrichring zugunsten der Fahrbahn abgedeckt. Nonnen- und Barfußmühle, beide technisch veraltet, störten die großstädtischen Planungen und wurden abgebrochen, lediglich die modernisierte Thomasmühle arbeitete bis zu ihrer Kriegszerstörung 1943.

Seit Ende der 1930er Jahre führten ungeklärt eingeleitete Abwässer der Karbochemie zu schwerer Verseuchung der Pleiße und ihres Mühlgrabens. Braune Schaumkronen und penetranter Phenolgestank wurden zum nachhaltigen Synonym des Flusses. In der Folge kam es jedoch nicht zur Beseitigung der Ursachen, sondern nur zum Bau einer Wölbleitung im alten Flussbett (1951-1956) und damit zum Verlust von über drei Kilometer innerstädtischer Flusslandschaft. Nach den Kriegsschäden (u.a. Zerstörung des Naundörfchens) ein weiterer schwerer Aderlaß für das Milieu und die gewachsene Eigenart der westlichen Vorstadt. Seit 1988 Forderung nach Flussfreilegung und planerische Respektierung historischer Entwicklungslinien der Stadt (behutsame Stadterneuerung). 1990 lnitiierung des Projektes NEUE UFER. Durch hartnäckiges Bürger-Engagement, mit der Aktion „Pleiße ans Licht“ sowie mit zahlreichen Publikationen und Ausstellungen konnte in Öffentlichkeit und Stadtverwaltung dessen Akzeptanz erreicht werden. Die Revitalisierung des Pleißemühlgrabens wurde 1994 Bestandteil städtischer Planung. 1996 erfolgte der erste Spatenstich. Seither konnten größere Abschnitte an der Wundtstraße, an der Harkortstraße und zwischen Rudolph- und Gottschedstraße freigelegt und neu gestaltet werden. Hier zeigt sich, dass neben der Belebung und der Attraktivierung des Stadtbildes der Wert des wiedergewonnenen Flusses vor allem in der Individualisierung vieler Orte und der Wiederherstellung ihrer vielfältigen kulturhistorischen Bezüge besteht.

Vorgesehen ist die schrittweise Öffnung der gesamten Wölbleitung des Mühlgrabens, darüber hinaus auch die Öffnung des Abschnittes zwischen der Rosentalbrücke und der früheren Einmündung der Parthe im Zoo, der seit 50 Jahren gänzlich trockengelegt und verfüllt ist.

http://www.neue-ufer.de/leipzig/pleisse_beschreibung.asp